Diagnosekriterien des Asperger Syndroms nach ICD-10

A: Es existiert keine klinisch bedeutsame allgemeine Verzögerung
in der gesprochenen oder rezeptiven Sprache oder in der kognitiven Entwicklung.
Die Diagnose verlangt, dass bis zum Alter von zwei Jahren oder früher einzelne
Worte gesprochen werden können und dass bis zum Alter von drei Jahren oder
früher kommunikative Redewendungen benutzt werden. Fähigkeiten zur
Selbsthilfe, anpassungsfähiges Verhalten und Wissbegierde in Bezug auf das
Umfeld sollten um das dritte Lebensjahr herum auf einem mit der normalen
intellektuellen Entwicklung übereinstimmenden Niveau liegen. Dennoch
können motorische Wegmarken etwas verzögert sein, und die motorische
Unbeholfenheit ist die Regel (obwohl kein notwendiges diagnostisches Merkmal).
Es bestehen häufig einzelne spezielle Fertigkeiten, die sich meist auf abnorme
Beschäftigungen beziehen, aber sie sind für die Diagnose nicht relevant.

B: Qualitative Abnormitäten in der wechselseitigen sozialen Interaktion
zeigen sich in mindestens zwei der folgenden Merkmale:Unvermögen,
einen angemessenen Blickkontakt herzustellen und aufrechtzuerhalten,
Mängel in Mimik und Körperhaltungen, Mängel in der Gestik zur
Regulierung der sozialen Interaktion;Unvermögen (in einer dem geistigen Alter
entsprechenden oder trotz ausreichender Gelegenheiten), Beziehungen zu
Gleichaltrigen zu entwickeln, die das Teilen von Interessen, Aktivitäten und
Emotionen betreffen;

Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit, die sich in einer unzulänglichen
oder von der Norm abweichenden Reaktion auf die Emotionen anderer
Menschen zeigt; oder der Mangel an Verhaltensmodulation gemäß dem
sozialen Kontext; oder eine geringe Integration der sozialen, emotionalen
und kommunikativen Verhaltensweisen;

fehlender spontaner Wunsch, mit anderen Menschen Vergnügen,
Interessen und Errungenschaften zu teilen (z.B. mangelndes Interesse,
anderen Menschen Gegenstände, die dem Betroffenen wichtig sind, herzubringen oder
darauf hinzuweisen.

C: Der Betroffene legt ein ungewöhnlich starkes, sehr spezielles
Interesse oder begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster,
Interessen und Aktivitäten an den Tag, die sich in mindestens einem der
folgenden Bereiche manifestieren:einer konzentrierten Beschäftigung mit
stereotypen und begrenzten Interessensmustern, die in Inhalt oder
Gebiet abnorm sind; oder eine oder mehrere Interessen, die in ihrer
Intensität und ihrer speziellen Natur, aber nicht in Inhalt oder Gebiet
begrenzt sind; offenkundige zwanghafte Befolgung spezifischer, nonfunktionaler
Routinen oder Rituale;

stereotype und repetitive motorische Manierismen, die entweder das
Schnippen/Schlagen oder Drehen mit Händen oder Fingern oder
komplexe Bewegungen mit dem ganzen Körper einschließen;

Beschäftigungen mit Teil-Objekten oder nonfunktionalen Elementen
oder Spielmaterialien (wie den dazugehörigen Farben, dem Gefühl, das
ihre Oberfläche vermittelt, oder dem Geräusch/der Vibration, das sie hervorrufen).
Doch kommt es seltener vor, dass diese Merkmale motorische Manierismen oder
Beschäftigungen mit Teil-Objekten oder nonfunktionalen Elementen der
Spielmaterialien mit einschließen.

D: Die Störung ist den anderen Varianten der tiefgreifenden
Entwicklungsstörung nicht zuzuschreiben, wie: einfache
Schizophrenie, schizo-typische Störung, Zwangsstörung,
anankastische Persönlichkeitsstörung, reaktive und enthemmte
Bindungsstörungen der Kindheit.